Wie viel "Bio" steckt hinter dem Bio-Siegel?

erstellt am 10.10.2017 09:35 Uhr

Wie viel Bio steckt hinter dem Bio-Siegel?

Früher als Abfall bezeichnet, sind Bio-Lebensmittel heute ein Leuchtfeuer der Hoffnung im Angesicht von Pestiziden und Massenproduktion. Leicht zu erkennen sind sie durch das Bio-Siegel, das auf fast jedem Produkt zu sehen ist und dem Verbraucher Sicherheit verschaffen soll. Aber welches Bio-Siegel ist genau gemeint? Und wie viel "Bio" steckt wirklich in Bio-Lebensmitteln?

Mit Bio assoziieren wir vieles. Tierfreundliche Haltung, keine Pestizide oder Gentechnik und natürlich eine umweltfreundliche Produktion. Da das Wort "Bio" bei Lebensmitteln rechtlich geschützt ist, müssen die Produkte bestimmte Kriterien erfüllen, um das Bio-Siegel zu erhalten. Ähnlich wie bei der Naturkosmetik gibt es aber auch hier verschiedene Siegel mit verschiedenen Anforderungen, die manchmal leichter und manchmal schwerer zu erfüllen sind. Am häufigsten auf Verpackungen zu finden ist das deutsche, sechseckige Bio-Siegel, das durch die EK-Öko-Verordnung vergeben wird. Gleich daneben ist das Siegel der EU zu finden, das mit seinem grünen Hintergrund und gelben Sternen in Form eines Blatts gut zu erkennen ist.

Die einheitlichen europäischen Richtlinien sollen dem Verbraucher Sicherheit geben, da viele Produkte mit den Slogans "aus kontrolliert biologischem Anbau" oder "aus umweltschonender Landwirtschaft" werben, ohne ein offizielles Bio-Siegel zu tragen. Auch das Siegel der deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) sagt wenig über die Bio-Qualität der Ware aus. Die Test-Kriterien sind nämlich sehr oberflächlich gehalten und konzentrieren sich vor allem auf Geruch, Konsistenz, Aussehen und Geschmack. Die Kriterien des Bio-Siegels der EU beziehen sich wiederum auf landwirtschaftliche Verhältnisse und Tierhaltung.

Hier ist ein grober Überblick darüber, was die EU-Richtlinien festlegen:

✿ Den Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutzmittel,
✿ die artgerechte Haltungsform von Tieren und die höchstzulässige Anzahl von Tieren pro Hektar,
✿ welche biologischen Futtermittel eingesetzt werden dürfen,
✿ die erlaubten Zusatzstoffe,
✿ den Einsatz von Antibiotika zu rein medizinischen Zwecken,
✿ das Verbot von Gentechnik.

95% der Kriterien müssen erfüllt werden, um das Logo auf die fertigen Bio-Lebensmittel aufdrucken zu dürfen. Dabei werden die Landwirte mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der Richtlinien überprüft. Es wird aber auch schnell deutlich, dass die Produkte nicht vollkommen frei von Zusatzstoffen sind, weshalb das Bio-Siegel häufig unter Kritik steht. "Artgerechte Haltung" ist ein sehr schwammiger Begriff und die Bio-Qualität importierter Zutaten kann auch nicht immer garantiert werden. Wenn dann noch viele eigene Bio-Logo hinzukommen, weiß der Kunde am Ende gar nicht mehr, wie viel Bio nun wirklich drin steckt. Viele Fragen sich deshalb, ob die konventionelle Landwirtschaft wirklich so viel schlechter ist.

Konventionelle Lebensmittel können nicht mithalten

Trotz einiger Schwächen sind Lebensmittel in Bio-Qualität immer noch wesentlich weniger belastet und dementsprechend verträglicher. Die Summe der erlaubten Zusatzstoffe in der konventionellen Landwirtschaft beträgt 316, während das Bio-Siegel lediglich 49 zulässt. Hinzu kommen noch die Emissionen durch Massentierhaltung und die Schädigung des Bodens. Antibiotika, die bei den meisten Tieren präventiv verabreicht werden, finden sich im Fleisch und letztendlich auch im Konsumenten wieder. Für den Verbraucher besonders wichtig sind aber die eingesetzten Pestizide, die auf Gemüse und Obst zurückbleiben. Auf konventionellen Lebensmitteln finden sich jährlich ca. 300 mal mehr Rückstände als auf Bio-Lebensmitteln.

Eines der beliebtesten Mittel ist Roundup, da es als Breitbandherbizid viele Unkrautarten auf einmal vernichtet. Das darin enthaltende Glyphosat steht jedoch unter Verdacht krebserregend zu sein. Der Streit darum ist groß, vor allem da die Unabhängigkeit der verschiedenen Quellen darüber in Frage gestellt wird. Die internationale Agentur zur Krebsforschung (IARC) hatte im vergangenen Jahr Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft, was jedoch nicht zu einem Verbot geführt hat.

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit schätzte Glyphosat hingegen als ungefährlich ein. Aus diesem Grund will die EU-Kommission das Pestizid um weitere 10 Jahre verlängern, die Abstimmung darüber wurde jedoch immer wieder verschoben. Seitdem kam es bereits vermehrt zu Protesten von Bürgern, die Unterschriften gegen die Nutzung von Glyphosat gesammelt haben. Bei genügend Stimmen ist die EU-Kommission gezwungen sich mit der Bürgerinitiative auseinander zu setzen. Wir von iloveveggie.de halten euch zu dem Thema natürlich auf dem Laufenden.

In einer Zeit in der das gesunde Leben und Umweltschutz für die Menschen immer wichtiger wird, kann der Verbraucher also nie ganz auf der sicheren Seite sein. Deshalb ist es umso wichtiger die konkreten Vorteile der ökologischen und biologischen Landwirtschaft zu kennen.

Bio-Qualität ist gut für Mensch, Tier und Umwelt

In unserem vielfältigen Ökosystem hängt alles voneinander ab. Die Umwelt zu schützen erhält also auch die Lebensqualität von Mensch und Tier. Es fängt mit dem Verzicht auf chemische Düngemittel an, damit die Nitrate nicht in den Boden und letztendlich ins Grundwasser gelangen. Die Öko-Landwirtschaft setzt dementsprechend auf organische Dünger, die durch Humusbildung entstehen. Humus wird aus Ernteresten, Gülle und anderen pflanzlichen Rückständen gebildet, die sich auf dem Boden zersetzen und so Nährstoffe liefern.

Das unterstützt auch die Artenvielfalt auf den Feldern, damit schädliche Monokulturen vermieden werden. Wildbewachsene Felder begünstigen wiederum verschiedene Tierarten, wie zum Beispiel Bienen, die im Frühling auf Bestäubungsjagd gehen. Die Nutztiere auf den Feldern werden durch reichhaltige Futtermittel versorgt während konventionelle Landwirte eher auf importiertes Soja-Futter setzen. Das ist insofern schädlich für die Umwelt, da es die Abholzung des Regenwaldes fördert. Außerdem verbraucht die ökologische Landwirtschaft ein Viertel bis ein Drittel weniger Energie und produziert noch weniger CO2.

Schmecken Bio-Lebensmittel denn auch besser? Da Bio-Obst und Bio-Gemüse in der Regel langsamer wachsen, sammelt sich weniger Wasser an. Dadurch ist der Geschmack oft intensiver und besser. Anders ist es bei Milchprodukten wie Joghurt oder Margarine. Durch die fehlenden Zusatzstoffe sind sie oft milder, was aber für viele Konsumenten wieder ein positiver Punkt auf der Liste der Vor- und Nachteile ist. Da viele Deutsche beim Thema Bio-Qualität hohe Ansprüche an die Produkte stellen, verlassen sich heute mehr Verbraucher auf die noch strengeren Richtlinien der Bioverbände.

Ist das Bio-Siegel gar nicht mehr so wichtig?

Da der Staat Bio-Lebensmittel fortwährend fördert, steigen immer mehr Landwirte auf die ökologische Produktion um. Auch Teilumstellungen sind möglich, sodass halb biologische und halb konventionelle Landwirtschaft betrieben wird. Sich mit den gewohnten Bio-Siegeln auszeichnen zu können, ist ein positiver Schritt, viele Landwirte und Hersteller fordern aber noch mehr von sich selbst. Deshalb legen sie besonders Wert auf Logos von deutschen Bioverbänden wie Demeter, Bioland, Biokreis und Naturland.

Die Unterschiede zu den Anforderungen der EU werden vor allem in der Tierhaltung deutlich. Während das Bio-Siegel der EU 14 Mastschweine auf einem Hektar Land erlaubt, dürfen laut den meisten Bioverbänden nur 10 Mastschweine pro Hektar gehalten werden. Noch größer ist der Unterschied bei Masthühnern. Nach EU-Richtlinien sind 580 Masthühner pro Hektar gestattet, Bioverbände fordern mit 280 mehr als die Hälfte weniger. Die verschiedenen Logos sagen also viel über die Bio-Qualität im Einzelnen aus.

Zwar ist das deutsche Bio-Siegel mit 81% das bekannteste unter den Verbrauchern, der Bioverband Demeter genießt allerdings das größte Vertrauen. Hersteller wie Dennree arbeiten Beispielsweise mit Demeter und anderen Bio-Verbänden wie Bioland, Naturland und Biokreis zusammen. Die Produkte bestehen ausnahmslos aus biologisch kontrolliertem Anbau und setzen stark auf Nachhaltigkeit. Deshalb hat sich iloveveggie.de auch für Dennree als Hauptlieferanten entschieden.

Festzuhalten ist, dass Bio-Lebensmittel in jedem Fall mit mehr Vorteilen Punkten können als konventionelle Produkte. Deshalb ist es immer ratsam die Zutatenliste und Siegel zu überprüfen, denn viele Bio-Produkte sind sogar ausschließlich regional produziert.